Nachschlagewerk · Stand April 2026
Glossar
Vier Bereiche, knapp erklärt — von der Glasplatte am Balkon bis zur Vermieter-Zustimmung. Wenn ein Begriff in einem Ratgeber unklar bleibt, hier nachschlagen. Querverweise zu den vier Ratgebern wo der Begriff im Kontext steht.
Komponenten
- Modul
- Wandelt Sonnenlicht in Gleichstrom. Standard heute: monokristallines Silizium, 400–550 Wp Nennleistung pro Modul, etwa 1,7 × 1,1 Meter, 18–22 kg. Bifaziale Module nutzen auch Reflexion von der Rückseite.
- Wechselrichter (Mikro-Wechselrichter)
- Wandelt den 30 – 60 V Gleichstrom der Module in 230 V Wechselstrom für die Steckdose. Bei Balkonkraftwerken sitzt er nah an den Modulen (deshalb „Mikro"-Wechselrichter). Marktführer: Hoymiles, EcoFlow, APsystems, Anker.
- Wp / kWp
- Maximale Leistung des Moduls unter Standardbedingungen (1 000 W/m² Einstrahlung, 25 °C). Realer Ertrag liegt darunter — ein 800-Wp-Set produziert in Deutschland zwischen 715 (Hamburg) und 880 kWh (München) pro Jahr.
- Bypass-Diode
- Im Modul eingebaut. Wenn ein Bereich verschattet ist (Ast, Brüstung, Schmutz), leitet die Diode den Strom an der schlechten Zelle vorbei, statt sie als Widerstand wirken zu lassen. Verhindert Hotspots. Halbiert aber den Ertrag des betroffenen Strangs.
- Halterung / Aufstellwinkel
- Drei Varianten: Klemm-Halterung am Geländer (senkrecht, 90°, –25 % Ertrag), Aufstellwinkel auf Boden oder Loggia (30 – 35°, optimal), Wandhalterung (Bohrung in Außenwand, schräg). Statik-Nachweis bei wind-exponierten Lagen Pflicht.
- Bifaziales Modul
- Zellen sind beidseitig sichtbar. Bringt 5 – 15 % mehr Ertrag, wenn der Untergrund hell ist (heller Balkonboden, helle Brüstung, Schnee). Bei dunklem Geländer kein nennenswerter Vorteil.
Glasplatte mit Solarzellen
Macht aus Gleichstrom Wechselstrom
Watt-Peak — Nennleistung
Schutz gegen Teilverschattung
Befestigung am Geländer oder Boden
Stromerzeugung von beiden Seiten
Steckdose & Anschluss
- Schuko-Stecker
- Standard-Steckdose in deutschen Haushalten (Schutzkontakt). Seit 1. Dezember 2025 (DIN VDE V 0126-95) offiziell für Steckersolar bis 960 Wp Module zugelassen. Voraussetzung: konformer Wechselrichter mit schneller Abschalt-Logik bei Spannungsausfall.
- Wieland-Dose
- Industrie-Steckverbindung, war jahrelang Empfehlung für Steckersolar. Seit 1. Dezember 2025 nur noch nötig oberhalb von 960 Wp Modul-Leistung (≈ 4 × 435 Wp). Kostet 60 – 80 € plus Elektriker für die Installation.
- MC4
- Standardisierter PV-Industrie-Stecker auf der Gleichstrom-Seite. Rastet hörbar ein, IP67-dicht, falsch herum stecken ist mechanisch unmöglich. Verbindet Modul-Kabel mit Wechselrichter-Eingang.
- Eigener Stromkreis
- Saubere Variante: Steckersolar an einem Stromkreis ohne Großverbraucher (Waschmaschine, Trockner, Herd). Verhindert seltene Lastspitzen, die die Sicherung auslösen. Bei begrenzten Möglichkeiten: Waschmaschine und BKW nicht gleichzeitig laufen lassen.
Die normale Drei-Punkt-Dose
Fünfeckige Spezial-Steckdose
Wasserdichter Stecker zwischen Modul und Wechselrichter
Empfohlen, aber nicht Pflicht
Recht & Behörde
- § 554 BGB
- Steckersolar ist ausdrücklich als „privilegierte Maßnahme" genannt. Du hast als Mieter einen gesetzlichen Anspruch auf Vermieter-Zustimmung. Der Vermieter darf nur in eng begrenzten Ausnahmefällen ablehnen (Denkmalschutz, Statik-Probleme, gefährliche Befestigung). Beweislast liegt beim Vermieter.
- § 20 Abs. 2 Nr. 5 WEG
- Auch für Eigentümergemeinschaften privilegiert seit 17. Oktober 2024. Du brauchst aber einen Beschluss der Eigentümerversammlung — der Verwalter muss den Antrag auf die Tagesordnung setzen. Einfacher Mehrheitsbeschluss reicht. Prozess dauert oft 3 – 9 Monate.
- Solarpaket I
- Hebt die Wechselrichter-Grenze auf 800 W an, erlaubt Module bis 2 000 Wp, schafft die Anmeldung beim Netzbetreiber ab. Ersetzt die alten 600-W-Beschränkungen. Vereinfacht den Anschluss erheblich.
- DIN VDE V 0126-95:2025-12
- In Kraft seit 1. Dezember 2025. Erlaubt Schuko-Stecker bis 960 Wp Modul-Leistung. Stellt Anforderungen an die Abschalt-Logik des Wechselrichters bei Spannungsverlust. Vorher war Schuko-Anschluss eine Grauzone.
- Marktstammdatenregister (MaStR)
- Online-Eintrag innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme. Dauert 5 – 10 Minuten. Theoretisch droht Bußgeld bei Versäumnis, in der Praxis verfolgt das niemand bei einer 800-W-Anlage. Trotzdem sinnvoll — bei Umzug, Verkauf oder Garantie-Fall hilfreich.
- Nullsteuersatz (§ 12 Abs. 3 UStG)
- Seit 1. Januar 2023. Gilt für alle PV-Anlagen bis 30 kWp inklusive Speicher und Komponenten. Auf der Rechnung steht 0 % MwSt — kein Aufpreis, kein nachträgliches Erstatten. Auch Balkonkraftwerke sind erfasst.
Mieter-Privilegierung seit 17. Oktober 2024
Pendant für Wohnungseigentümer
Gesetzespaket vom 16. Mai 2024
Erste echte Produkt-Norm für Steckersolar
Pflicht-Anmeldung bei der Bundesnetzagentur
Keine Mehrwertsteuer auf PV-Anlagen
Wirtschaftlichkeit
- Eigenverbrauchsquote
- Tagsüber-Verbrauch ist gut (Homeoffice 85 – 95 %, Rentner 90 – 95 %), Pendler-Haushalte schwach (30 – 40 %). Was nicht selbst verbraucht wird, geht ungenutzt ins Netz — Steckersolar bekommt anders als Aufdach-PV keine Einspeisevergütung.
- Amortisation / Payback
- Bei einem 650-Euro-Set in Berlin: 2,3 Jahre (Rentner-Haushalt) bis 6,1 Jahre (Pendler). Standort-Unterschied (Berlin vs. München) ist kleiner als der Verbrauchsmuster-Unterschied. Mit Speicher verlängert sich der Payback bei den meisten Profilen.
- Modul-Degradation
- Etwa 0,5 % pro Jahr — ein 800-Wp-Modul liefert nach 20 Jahren noch ~720 Wp. Hersteller geben 25 Jahre Leistungsgarantie auf 80 – 85 % der Anfangsleistung. Im 20-Jahres-Cashflow ist das ein Faktor von etwa 10 %.
- Round-Trip-Efficiency (Speicher)
- Lithium-Ion-Speicher: typisch 85 – 92 %. Heißt: aus 100 kWh Lade-Energie kommen 85 – 92 kWh wieder raus, der Rest ist Wandlungs- und Selbstentladungs-Verlust. Bei der Cashflow-Rechnung mit einberechnen.
- PVGIS
- Photovoltaic Geographical Information System der EU-Kommission (Joint Research Centre). Satellitenbasiert, deckt ganz Europa ab, Stundenwerte für jeden Standort. Wir nutzen Version 5.3 mit Daten 2005 – 2021 als Basis. Kostenlos, transparent, offene API.
- Cloud-Bindung
- Manche Premium-Sets (Anker, EcoFlow, Marstek) routen App-Steuerung und Smart-Home-Integration über die Cloud des Herstellers. Bei Server-Ausfall oder Geschäftsaufgabe sind die Smart-Funktionen weg. Der reine Strom-Betrieb läuft unabhängig weiter.
Anteil des Stroms, der im Haushalt landet
Zeit bis zur Kostendeckung
Leistungsverlust über die Jahre
Wie viel kommt aus dem Speicher zurück
EU-Datenbank für Solar-Einstrahlung
App-Funktionen nur über Hersteller-Server
Praxis und Schutz
- Hausratversicherung
- Ein außen am Geländer befestigtes Modul gilt nach Auffassung der meisten deutschen Versicherer als „Hausrat" und ist über die Hausrat-Police mitversichert — gegen Sturm, Hagel, Diebstahl und unter Umständen Vandalismus. Trotzdem: ausdrückliche Bestätigung beim Versicherer einholen, weil Wertgrenze (oft 1.500 € Außenversicherung) und Anschlussart in den Bedingungen variieren. Eine separate Photovoltaik-Police lohnt sich für 800-W-Sets in der Regel nicht.
- Haftpflicht beim Vermieter
- Im Mietverhältnis haftet grundsätzlich der Mieter für Schäden, die von seiner Anlage ausgehen. Eine private Haftpflichtversicherung deckt das ab, sofern die Montage „fachgerecht" war — Montage-Anleitung des Herstellers befolgen, Statik-Hinweise prüfen, ggf. Foto der Befestigung dokumentieren. Bei wind-exponierten Lagen ab dem 4. Geschoss empfehlen viele Hersteller einen Statik-Nachweis.
- Monitoring-App
- Hoymiles S-Miles, Sungrow iSolarCloud, Anker app, EcoFlow App — die meisten Wechselrichter bringen eine eigene App mit, die Live-Leistung, Tagesertrag und Fehlercodes anzeigt. Funktioniert über WLAN-Bridge im Gerät. Datenschutz-Hinweis: Daten landen meist auf Hersteller-Servern (oft USA oder China). Wer das vermeiden will: OpenDTU- oder AhoyDTU-Selbstbau-Lösung — empfängt das interne 2,4-GHz-Funksignal des Wechselrichters lokal, ohne Cloud.
- OpenDTU
- Open-Source-Firmware auf einem ESP32-Mikrocontroller, die das interne Funkprotokoll von Hoymiles- und kompatiblen Mikro-Wechselrichtern liest. Kosten ~ 25 € für die Hardware, Bauanleitung in einer Stunde umgesetzt. Daten gehen in Home Assistant, MQTT oder direkt ins lokale Netzwerk — ohne Internet, ohne Account. Praktisch für Datenschutz-Sensible und Smart-Home-Bastler.
- Wartung
- Praktisch nichts. Module reinigen ist optional — bei senkrechter Geländer-Montage spült Regen den groben Schmutz ab. Sichtkontrolle einmal pro Jahr (Befestigung, Stecker, Kabel auf Beschädigung). Wechselrichter haben keine beweglichen Teile außer einem Kühlkörper-Lüfter, der bei Mikro-Wechselrichtern selten verbaut ist. Hersteller-Garantie meist 10 – 12 Jahre auf den Wechselrichter, 25 Jahre Leistungsgarantie aufs Modul.
- Schieflast
- Im deutschen Hausnetz gibt es drei Außenleiter (Phasen). Die Steckdose, in die das Balkonkraftwerk eingesteckt ist, sitzt auf einer dieser drei Phasen — und speist nur dort ein. Liegt der Verbrauch auf einer anderen Phase, wird der Strom vom Stromzähler trotzdem als Eigenverbrauch gezählt (Saldierung über alle Phasen, gesetzlich seit 2024). Bedeutet: keine technische Optimierung der Steckdosen-Phase nötig.
Schutz für ein Balkonkraftwerk im Schadenfall
Wer haftet, wenn das Modul herunterfällt?
Live-Daten am Wechselrichter ablesen
Self-Hosted Monitoring ohne Hersteller-Cloud
Was an einem Balkonkraftwerk regelmäßig zu tun ist
Asymmetrische Belastung der drei Stromphasen
Stand · 30. April 2026 · Fehlt ein Begriff? Mail an die Adresse im Impressum.